In den letzten Jahren sorgt ein neu entdecktes Cannabinoid – vorrangig im Internet – für Aufsehen: THCP (Δ9-Tetrahydrocannabiphorol). Italienische Forscher beschrieben es erstmals 2019, nachdem sie es in einer medizinischen Cannabissorte nachweisen konnten.
Viele Patient:innen stoßen mittlerweile auf (vermeintliche) THCP-Produkte und suchen nach verlässlichen Informationen. Doch die Datenlage ist dünn: Es gibt kaum Studien, keine medizinische Zulassung und viele offene Fragen zur Sicherheit. Dieser Artikel gibt einen Überblick über den aktuellen Wissensstand.
THCP steht für Δ9-Tetrahydrocannabiphorol und gehört zur Gruppe der Phytocannabinoide – also jener Wirkstoffe, die natürlicherweise in der Cannabispflanze vorkommen. Chemisch gesehen ist es ein naher Verwandter von THC (Tetrahydrocannabinol), dem bekanntesten Cannabinoid.
Bis 2019 war THCP der Wissenschaft unbekannt. Ein italienisches Forschungsteam entdeckte es bei der Analyse der medizinischen Cannabissorte FM2. Die Forscher isolierten THCP aus den Blüten und untersuchten seine chemische Struktur. [1]
Zwar kommt THCP natürlicherweise in Cannabis vor, allerdings in deutlich geringerer Konzentration als THC und CBD (Cannabidiol).
Wie alle Cannabinoide entfaltet THCP seine Wirkung über das Endocannabinoidsystem – ein komplexes Netzwerk von Rezeptoren, das sich über den gesamten Körper erstreckt und auf das zentrale Nervensystem einwirkt. [2]
THCP bindet hauptsächlich an zwei Rezeptortypen:
In Laborversuchen zeigte THCP eine außergewöhnlich starke Bindung an den CB1-Rezeptor – etwa 33-mal stärker als THC. Auch an CB2-Rezeptoren band es 5- bis 10-mal besser als THC. [1]

Das Endocannabinoid-System besteht aus drei Hauptkomponenten: Rezeptoren (CB1 und CB2), Enzymen und Neurotransmittern, die mit den Rezeptoren interagieren. Diese Neurotransmitter werden auf natürliche Weise in unserem Körper produziert und weisen eine ähnliche chemische Struktur auf wie die von der Cannabispflanze produzierten Cannabinoide. Mehr lesen!
Der Grund für diese erhöhte Bindungsstärke liegt in der chemischen Struktur. THCP besitzt eine Seitenkette mit sieben Kohlenstoffatomen, THC dagegen nur mit fünf.
Durch die höhere Anzahl interagiert THCP umfassender mit CB1-Rezeptoren. Die stärkere Rezeptorbindung legt wiederum nahe, dass THCP stärkere Effekte hervorrufen könnte als THC – möglicherweise schon in geringeren Mengen. Mithin zeigten sich bei Mäusen typische Cannabis-Effekte bereits bei niedriger Dosierung.1
Allerdings stammen diese Erkenntnisse ausschließlich aus Labor- und Tierversuchen. Wie THCP beim Menschen wirkt, in welchen Dosierungen es sicher ist und welche Nebenwirkungen auftreten können, ist wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht. Daher hat die gezielte Anwendung von THCP auch noch keinen Einzug in die Cannabistherapie gefunden.
Basierend auf den bisherigen Laboruntersuchungen lautet die Antwort: Ja. Allerdings ist eine potentere Wirkung nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal. Vielmehr birgt sie Risiken.
Zuweilen stoßen Patient:innen im Internet auf sogenannte THCP-Blüten. Dieser Begriff ist allerdings irreführend. Echte Cannabisblüten mit natürlich hohem THCP-Gehalt gibt es praktisch nicht. Wie eingangs erwähnt, kommt THCP in Cannabispflanzen nur in sehr geringen Spuren vor.
Werden Cannabisblüten als THCP-Blüten vertrieben, handelt es sich entweder um eine übertriebene Vermarktungsstrategie [3] oder um fragwürdig nachbehandelte Blüten.
Synthetisch hergestelltes THCP oder Produkte, die mit THCP bearbeitet wurden, dürfen in Deutschland grundsätzlich nicht vertrieben werden.4 Aufgrund der dürftigen Studienlage ist dringend davon abzuraten, THCP in hohen Mengen und ohne ärztliche Absprache zu verwenden.

Sogenannte THCP-Produkte sind keine Arzneimittel. Es gibt keine klinischen Studien am Menschen, keine Zulassung durch Gesundheitsbehörden und keine Erfahrungswerte zu sicheren Dosierungen. Für medizinische Zwecke stehen zugelassene Cannabisprodukte mit definierten Wirkstoffgehalten zur Verfügung. Diese sind mit ärztlichem Rezept in der Apotheke erhältlich.
Die ehrliche Antwort lautet: Wir wissen es nicht. Es gibt keine Langzeitstudien zu THCP beim Menschen, keine klinischen Studien zu Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder zum genauen Sicherheitsprofil und keine belastbaren Erfahrungswerte aus der medizinischen Anwendung.
Die hohe Wirkstärke von THCP stellt zudem einen Risikofaktor dar.
Bei etablierten Cannabinoiden wie THC gibt es Erfahrungswerte zu Dosierungen. Bei THCP fehlen diese komplett. Niemand kann seriös sagen:
Die Forschung zu THCP steckt noch in den Kinderschuhen. Was bisher vorliegt, ist wissenschaftlich interessant – rechtfertigt aber keine gezielte Anwendung am Menschen. Die Grundlage des aktuellen Wissensstands bildet die italienische Entdeckungsstudie von 2019. Sie lieferte:
Für eine gezielte, medizinische Anwendung beim Menschen wären erforderlich:
Nichts davon existiert für THCP. Dass eine Substanz im Labor interessante Eigenschaften zeigt, bedeutet nicht, dass sie für den Menschen sicher oder wirksam ist. Viele vielversprechende Forschungssubstanzen scheitern in späteren Studienphasen – häufig aufgrund unvorhergesehener Nebenwirkungen.
THCP ist eine interessante Forschungssubstanz. Für den medizinischen Gebrauch fehlt jedoch jede wissenschaftliche Grundlage, die einen verantwortungsvollen Einsatz rechtfertigen würde.
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Fazit
THCP ist ein wissenschaftlich interessantes Cannabinoid, das jedoch weder medizinisch zugelassen noch ausreichend erforscht ist. Die bisher vorliegenden Daten stammen ausschließlich aus Tierversuchen und Labormodellen – klinische Studien am Menschen fehlen vollständig. Hinzu kommt, dass THCP-Produkte in Deutschland unter das NpSG fallen und damit illegal sind. Wer auf der Suche nach cannabisbasierter Medikation ist, sollte daher auf zugelassene, pharmazeutisch geprüfte Produkte setzen – erhältlich mit ärztlichem Rezept in der Apotheke.
Welche Wirkung hat THCP?
THCP wirkt ähnlich wie THC, jedoch mit deutlich stärkerer Bindung an die Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn. Tierversuche zeigten Effekte wie verminderte Bewegungsaktivität, Schmerzlinderung und Temperaturabfall. Wie genau THCP beim Menschen wirkt, ist wissenschaftlich nicht belegt.1
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Ist THCP stärker als THC?
In Laborversuchen band THCP etwa 33-mal stärker an CB1-Rezeptoren als THC. Das bedeutet jedoch nicht, dass es besser ist – im Gegenteil: Eine höhere Potenz macht die Dosierung schwieriger und das Risiko für Nebenwirkungen größer.1
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Ist THCP in Deutschland legal?
Nein. THCP-Produkte fallen unter das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) und sind in Deutschland illegal. Herstellung, Handel sowie Ein- und Ausfuhr sind verboten.4
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Ist THCP gefährlich?
Das lässt sich mangels Studien nicht abschließend beurteilen. Was wir wissen: THCP ist sehr potent, doch es fehlen jegliche Erfahrungswerte und Langzeitstudien zu sicheren Dosierungen beim Menschen.
Referenzen
https://doi.org/10.1038/s41598-019-56785-1
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19675519/#
https://doi.org/10.1080/02791072.2025.2484376
https://www.gesetze-im-internet.de/npsg/anlage.html


